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| Vom Urknall zum Durchknall: Die absurde Jagd nach der Weltformel
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Was ist schön": einfach oder symmetrisch ?
• • • • • (bewertet mit 4 von 5 Punkten)
Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Vom Urknall zum Durchknall: Die absurde Jagd nach der Weltformel (Gebundene Ausgabe) Unzickers neuestes Werk balanciert auf dem schmalen Grat zwischen Populärwissenschaft und "professioneller" Physik. Das Buch war für mich als naturwissenschaftlicher Laie nicht leicht zu lesen, wenngleich mit einer guten Portion Humor durchsetzt. Unzickers Buch ist eine pointierte Abrechnung mit den Auswüchsen des "Standardmodells" in der Teilchenphysik sowie mit der Urknalltheorie in der Kosmologie, die beide insbesondere vom CERN in Genf repräsentiert werden. Zugespitzt könnte man den Inhalt des Buches mit der Frage umschreiben: "Was bedeutet in der Physik schön: einfach oder symmetrisch?" Der kaum noch hinterfragte Grundsatz, eine "allumfassende physikalische Theorie" müsse "symmetrisch" sein, hat uns einen unübersichtlichen Teilchenzoo beschert, der mehr Fragen aufwirft als Antworten liefert. Dem stellt Unzicker eine "fraktale" Physik gegenüber, die mit möglichst wenigen Naturkonstanten "einfach" bleibt. Unzickers Ideen sind hier sehr stark von den physikalischen Vorstellungen des Physikers Paul Dirac beeinflusst, einem Zeitgenossen von Albert Einstein. Die Stringtheorie lehnt Unzicker als empirisch ungesicherte, ins Religiöse abdriftende Modeerscheinung ab. Dem Mainstream in der Kosmologie wirft Unzicker vor, dass die Gültigkeit seiner Postulate nur in unserer Galaxie nachgewiesen sei, jedoch keineswegs für das gesamte Universum beansprucht werden darf. Unzicker geht hier so weit, die Lichtgeschwindigkeit als unabänderliche Konstante in Frage zu stellen. Empirisch nicht gestützte Hilfskonstrukte wie "Dunkle Materie" und "Dunkle Energie" finden bei Unzicker keine Gnade.
Besonders gefallen haben mir die Darstellungen der Forschungsergebnisse, die in den letzten Jahren durch Weltraumsonden von NASA und ESA erbracht wurden. In der populärwissenschaftlichen Literatur erfährt man ja sonst wenig über die kosmologischen Erkenntnisse der letzten 20 Jahre.
Vermisst habe ich klare Worte des Autors zur Verantwortung der Wissenschaftler für die Unversehrtheit unserer Erde durch Experimente. Wer freilich wie Unzicker Stringtheorie, Dunkle Materie und Schwarze Löcher als Scharlatanerie abtut, braucht sich auch um deren Gefahrenpotential nicht zu sorgen.
Dem naturwissenschaftlich unbelasteten Leser empfehle ich, sich zuerst in die "symmetrische" Physik einzulesen, um Unzickers Kritik an dieser Physik besser zu verstehen. Als Einführung hierzu bietet sich das kleine Büchlein von Ralf Landua "Am Rand der Dimensionen - Gespräche über die Physik am CERN" an.
Unzicker gelingt es mit seinem Buch, die Atomphysik und Kosmologie vom Nimbus der absoluten Wahrheit, Objektivität und Unfehlbarkeit zu entkleiden, indem er aufzeigt, dass hier auch nur von Interessen geleitete Menschen mit ihren individuellen Eitelkeiten am Werk sind. Dafür vergebe ich gerne gute 4 Sterne.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 22. Februar 2010 | | | | | | | |
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